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Alle Jahre wieder...

Die Pfarrei „St. Marien“ Zittau ist wahrhaftig nicht darauf aus, ihre Gemeindemitglieder und die Gäste gut zu unterhalten, eine „Super-Performance“ zu bieten, wie man neudeutsch sagt. Das Leitmotiv des hl. Ignatius von Loyola „Alles zur größeren Ehre Gottes“ drückt eher aus, worum es der Gemeinde geht. Dass jedoch die Ehre Gottes und die Freude der Menschen eng miteinander verknüpft sind, ist allerdings eine tiefe Wahrheit und Weisheit. Deshalb weist der Jahresplan unserer Pfarrei einige Besonderheiten auf, die es nur hier oder lediglich an einigen wenigen weiteren Orten gibt und die regelmäßig wiederkehren. Irgendwie drücken diese Gottesdienste und Veranstaltungen einen Lebensrhythmus aus: Zusammenkommen oder Aufbrechen – wie Ein- und Ausatmen. Gäste sind immer und überall herzlich willkommen!

Vorschau auf kommende Veranstaltungen

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Chronologische Übersicht zu wiederkehrenden Veranstaltungen im Kirchenjahr

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Beschreibung der besonderen Veranstaltungen im Kirchenjahr

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Im Advent

Herbergssuche in Löbau
Hölzerne Figurengruppe vor der Löbauer Kirche

Herbergssuche in Löbau

Jedes Jahr zu Beginn des Advents wird vor der Löbauer Kirche eine hölzerne Figurengruppe aufgebaut: Josef und Maria – diese auf einem Esel reitend – sind auf Herbergssuche. Immer von neuem ein berührendes Thema. Die Löbauer Katholiken halten es auch dadurch lebendig, dass ein Foto von besagter Gruppe durch die Gemeinde wandert. Andernorts wird dies auch „Marientragen“ genannt. Wo das Bild Station macht, versammeln sich Leute zu einer kurzen Andacht. Unter Löbauer Diaspora-Verhältnissen kommt da nicht einfach der Nachbar auf einen Sprung um die Ecke gelaufen, sondern man nimmt schon ansehnliche Wege dafür in Kauf, wobei das Bild auch auf die Dörfer der Pfarrei „wandert“. Nach der Andacht wird es gemütlich und selbst, wenn die Heilige Familie seinerzeit auf dem Weg nach Betlehem nicht gefroren haben sollte: Vorsichtshalber wärmen sich die frommen Beter selbst mit mindestens einem Glas Glühwein auf. Übrigens wird die beschriebene Figurengruppe an Weihnachten „umgerüstet“: Das Kind in der Krippe, zwei Schafe und ein Hirte kommen hinzu und der zunächst dominante Esel darf die wohlverdiente Ruhe genießen.

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1. Adventssonntag

Konzert Cum decore
Auftritt in der Marienkirche Zittau 2018 - Foto: Bernhard Pflug

Geistliches Konzert des Chors „Cum decore“

Es ist immer von Vorteil, wenn an einem Beginn – hier am Anfang des Kirchenjahres – ein eindrucksvoller Akzent gesetzt wird. Das ist in der Marienkirche in Zittau - neben der Eucharistiefeier am Vormittag – seit 2002 das geistliche Konzert des Chores „Cum decore“ aus Reichenberg (Liberec). Dieser Chor wurde 1999 gegründet und besteht derzeit aus aktuellen und früheren Schülern des Gymnasiums F. X. Šaldy. 2001 übernahm Čeněk Svoboda die Leitung und gewann mit seinen Sängern seitdem mehrere internationale Preise. Das adventliche Konzert ist in seinem Programm nicht immer auf die Kirchenjahreszeit abgestimmt. Doch dies tritt sofort in den Hintergrund, wenn die überragende Klangreinheit der Stimmen in der wunderbaren Akustik des Kirchenraumes voll zur Entfaltung kommt.

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Mitte Dezember

Böhmische Papierkrippe

Krippenausstellung im Pilgerhäusl Hirschfelde

Aufgezwungene Armut wünscht man niemandem. Doch aus solcher Armut kann auch Schönes erwachsen. Das beweisen die böhmischen Papierkrippen. Diese schöne Tradition gründete letztlich im Einfallsreichtum der armen Landbevölkerung, die sich die teuren geschnitzten Krippen nicht leisten konnte. Die Darstellungen versetzen das Weihnachtsgeschehen in das Umfeld verschiedener Städte und Regionen Böhmens. Die Figuren bilden meistens einfache Menschen in ihren typischen Berufen ab. Allen gemein ist, dass sie etwas zum Jesuskind bringen, was ihnen kostbar ist: ein Brot, Äpfel, Eier – manchmal sogar nur ihre leeren Hände. So wird das Weihnachtsgeschehen liebevoll ins Heute übertragen und - im Wortsinn - näher gebracht. Jedes Jahr wird der Ausstellung, die jeweils von Mitte Dezember bis Anfang Februar zu sehen ist, eine weitere Krippe hinzugefügt – die die Teilnehmer an der Adventsstunde am dritten Freitag im Dezember im Pilgerhäusl Hirschfelde ausschneiden.

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28. Dezember

Weihnachtsstunde im Pilgerhäusl Hirschfelde

Weihnachtsstunde im Pilgerhäusl Hirschfelde 2017

Weihnachtsstunde im Pilgerhäusl Hirschfelde

Man kann sich daran gewöhnen, dass „Weihnachtsfeiern“ vor allem im Advent stattfinden. Der Pilgerhäuslverein will dies aber nicht und lädt deshalb zu einer Weihnachtsstunde am 28. Dezember ein. Und viele Leute sind dankbar, dass mit dem Zweiten Weihnachtsfeiertag nicht schon das ganze Fest vorüber ist und kommen deshalb gern nach Hirschfelde. Wir versammeln uns in der behaglichen Blockstube unseres schönen Umgebindehauses. Wer Glück hat, weil er zeitig genug da ist, kann sich auf der Ofenbank vom alten Kachelofen den Rücken wärmen lassen. Es werden die vertrauten Weihnachtslieder angestimmt und wenn der Glühwein ausgeschenkt ist, gelingt das Singen umso besser. Zwischen den Liedern werden von Michael Schmacht Weihnachtsgeschichten vorgetragen, unter denen die in der klangvollen Oberlausitzer Mundart die beliebtesten sind. Sie erzählen auf originelle Weise, wie schön Weihnachten sein kann und welch kleine und große Katastrophen unter'm Christbaum passieren können.

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Zwischen Weihnachten und Neujahr

Stallweihnacht 2018 - Foto: Rafael Sampredo

Stallweihnacht in Mittelherwigsdorf

Das fromme Volk Gottes hat messerscharf gefolgert: Wenn das neugeborene Jesuskind von seiner Mutter in eine Krippe gelegt wurde, muss sich das logischerweise in einem Stall zugetragen haben. So besitzen seit Generationen unzählige Menschen in ihrem Zuhause einen Krippenstall en miniatur. Wie wäre es damit, das weihnachtliche Geschehen einmal in einem richtigen, großen Stall mitzuerleben? Alle zwei Jahre – wieder 2020 – findet zwischen Weihnachten und Neujahr auf dem Bauernhof von Familie Schönfelder in Mittelherwigsdorf, Obere Dorfstraße 38, ein ökumenischer Weihnachtsgottesdienst statt. Es sei dahingestellt, was die zahlreichen Kinder mehr anlockt: das Gebet oder aber die Tiere, die für diesen Abend aus dem ganzen Dorf zusammengeholt werden. So haben es die Jungen und Mädchen, die ein kurzes Krippenspiel aufführen, nicht immer leicht, sich gegen das Blöken der Schafe und die vielen anderen Tierlaute durchzusetzen. Die einmalige Atmosphäre in der Scheune wird unterstrichen durch die sprichwörtliche Gastfreundschaft der gastgebenden Familie. All das vermittelt eine Ahnung davon, was an Weihnachten geschehen ist und was es für uns bedeutet.

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Sonntag am Ende der Weihnachtszeit

Böhmische Hirtenmesse 2018 – Foto: Bernhard Pflug

Böhmische Hirtenmesse

Ähnlich viele Leute wie zur Christnacht am Heiligen Abend versammeln sich in der Zittauer Marienkirche, wenn an einem der ersten Sonntage im neuen Jahr die „Böhmische Hirtenmesse“ von tschechischen Musikern und Sängern aufgeführt wird. An diesem Tag kommen auch viele Zuhörer aus dem Nachbarland zu uns, weil erstens diese Messe von Jakub Jan Ryba (1765 - 1815) den Tschechen mindestens genauso viel bedeutet wie uns Deutschen das „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach und zweitens, weil die Zittauer Kirche besser geheizt ist als ihre heimatlichen Dorfkirchen, in denen die Messe selbstverständlich auch zu hören ist. Erzählt wird das Weihnachtsgeschehen aus der Perspektive der Hirten, die nach Betlehem kommen. Weihnachten mit Pauken und Trompeten! Die Hirtenmesse ist ein Leckerbissen für alle, die böhmische Barockmusik lieben. Es soll Leute geben, für die es gar nicht richtig Weihnachten wird, wenn sie nicht diesem Meisterwerk lauschen können.

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13. Januar

Andachtsbild - Foto: commons wikemedia

Erscheinungsfest in Philippsdorf (Filipov)

Nicht wenige Leute fragen sich – und machen auch keinen Hehl daraus –, ob es unbedingt um 4.00 Uhr sein musste, dass die Muttergottes im kleinen böhmischen Ort Philippsdorf (heute Filipov) erschien und die totkranke Magdalena Kade heilte. Denn seit der politischen Wende 1989/90 lebte der Brauch wieder auf, um diese (unchristliche) Zeit in der dortigen Basilika eine Heilige Messe zu feiern. Von beiderseits der Grenze kommen zahlreiche Wallfahrer auch von weit her, so dass die Kirche immer sehr gut gefüllt ist. Im weiteren Verlauf des Tages werden weitere Gottesdienste in tschechischer und deutscher Sprache gefeiert. Philippsdorf ist ein wichtiger Wallfahrtsort. Als Böhmen noch zu Österreich gehörte, war es nach Mariazell der zweitwichtigste Wallfahrtsort des Landes und unzählige Menschen fanden an diesem Ort Trost – vor allem auch durch die Worte: „Mein Kind, von jetzt an heilt`s!“, die die Muttergottes damals zu Magdalena gesprochen haben soll. Diese Messe im Morgengrauen (doppelter Wortsinn!) in der oft eisigen Kirche mitzufeiern, hat jedoch unbedingt einen aufbauenden Effekt: Man fühlt sich hinterher als Held!

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14. Februar

Andachtsbild vom Hl. Valentin - Foto: commons wikemedia

Segnungsgottesdienst zum Valentinstag

Einige Pfarreien nahmen die Anregung des damaligen Dompfarrers und heutigen Weihbischofs von Erfurt Reinhard Hauke auf, am Valentinstag (14. Februar) Liebende und Verliebte zu segnen. Dass Zittau mit von der Partie war, dürfte nun langsam nicht mehr verwundern. Wer dieser namensgebende Valentin war, ist nicht genau bekannt. Der Überlieferung nach war er Bischof von Terni oder ein armer Priester in Rom, der im dritten Jahrhundert lebte. Laut Legende traute er trotz Verbot Liebespaare nach christlichem Ritus und schenkte den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten. Außerdem sollen die Ehen, welche durch ihn geschlossen wurden, immer unter einem guten Stern gestanden haben. Der Abend beginnt jeweils mit einem festlichen Gottesdienst, in dem die vielen Facetten der Liebe angesprochen werden. Am Schluss können die Paare einen persönlichen Segen empfangen. Damit ist die Feier jedoch noch lange nicht zu Ende. Die Paare versammeln sich nach dem Gottesdienst im Gemeindezentrum „Alte Schule“ und feiern ihre Liebe mit einem Glas Wein – zumindest der Partner, der an diesem Abend keinen Fahrdienst hat.

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In der Fastenzeit

Dreitücherfahrt 2018, Station Heilig-Kreuz-Kirche Zittau - Foto: Bernhard Pflug

Dreitücherfahrt

An der Autobahn A4 vor der Abfahrt Weißenberg macht Zittau als „Stadt der Fastentücher“ auf sich aufmerksam. Das ganze Jahr über können gegen Eintrittsgeld das Große Fastentuch von 1472 und das 101 Jahre jüngere Kleine besichtigt werden. Doch während der Österlichen Bußzeit werden drei Fastentücher gezeigt, denn dann hängt eins auch in der Marienkirche und erfüllt damit den ursprünglichen Sinn von Fastentüchern. In dieses Tuch ist eine kostbare Kopie des Turiner Grabtuches integriert. Seit 2009 gibt es die Drei-Tücher-Fahrt. Dazu muss man in kein Fahrzeug steigen. „Fahrt“ ist ein altes deutsches Wort für „Sich-auf-den-Weg-begeben“, „Unterwegssein“, „Pilgern“ – bewahrt in unserem gängigen Begriff „Wallfahrt“. So braucht man keine Angst vor einem langen Marsch zu haben; die ganze Wegstrecke misst nicht einmal einen Kilometer. Vor jedem der drei Tücher wird meditiert, gebetet und von persönlichen Erfahrungen berichtet. Und was übrigens das Eintrittsgeld betrifft: Das ist an diesem Tage ausgesetzt!

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5. Fastensonntag

Kreuzweg in St. Marienthal
Kreuzweg in St. Marienthal

Ökumenischer Kreuzweg in Marienthal

Den Kreuzweg wenigstens einmal während der Österlichen Bußzeit im Freien zu beten, ist mittlerweile Standard in vielen Gemeinden. Insofern ist dieser am 5. Fastensonntag bei der Abtei St. Marienthal eigentlich nichts Herausragendes. Doch wir würden ihn hier nicht aufführen, wenn es nicht doch zwei Dinge gäbe, die ihn besonders machen. Da ist zum einen, dass er ökumenisch vorbereitet und gebetet wird. Und zum anderen lohnt ein Blick in die Kunstgeschichte: Als die Franziskaner im 14. Jahrhundert emsig das Kreuzweg-Gehen förderten, entstanden die ersten Kreuzwege – und zwar im Freien! Sie zogen sich zumeist einen Berg oder Hügel hinauf. In der Barockzeit entstanden vor allem im nahen Nordböhmen („Schluckenauer Zipfel“) zahlreiche solcher eindrucksvollen Anlagen. Doch begonnen hat alles in St. Marienthal, das damals noch zu Böhmen gehörte. Hier ließ Äbtissin Clara Mühlwenzel 1728 den allerersten errichten. Es ist ein besonderes Erlebnis, den Kreuzweg auf dem böhmischen, jetzt sächsischen Original zu beten!

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Palmsonntag

Ökumenischer Kreuzweg Zittau/Polen, Station Kleinschönau (Sieniawka) – Foto: Bernhard Pflug

Ökumenischer Kreuzweg Zittau/Polen

Auch der Kreuzweg am Palmsonntag ist bemerkenswert. Kurz nach der politischen Wende 1989/90 nutzten ökumenisch engagierte Christen ihre guten Kontakte zur katholischen Pfarrgemeinde in Groß-Poritsch (Porajów). Gemeinsam wurde ein Kreuzweg zwischen der Hospitalkirche in Zittau und der katholischen Kirche in Porajów ins Leben gerufen. Abwechselnd begann er in Deutschland und in Polen und jedes Mal wurde die Grenze zwischen beiden Ländern überschritten. Das war ein starkes Zeichen! Gelassen erinnert man sich inzwischen daran, dass alle Teilnehmer – und das waren über hundert – hübsch der Reihe nach ihren Ausweis vorzeigen mussten, wenn vergessen worden war, den Kreuzweg bei den polnischen Grenzbehörden anzumelden. Eben eine zusätzliche Kreuzwegstation! Da diese Grenze kaum noch spürbar ist und heutzutage nur mehr geringe Bedeutung hat, entschlossen sich die Organisatoren, auf den Grenzübertritt zu verzichten. Gegenwärtig werden beim Kreuzweggebet abwechselnd in unseren beiden Ländern Stellen aufgesucht, an denen Menschen in der Vergangenheit schwere Kreuze auferlegt wurden oder wo heute Frauen und Männer schwer an der Last des Lebens zu tragen haben.

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Ostersonntag

Saatreiten in Ostritz

Saatreiten in Ostritz

Selbstverständlich ist es etwas für`s Auge, wenn am Ostersonntagnachmittag eine imposante Prozession von geschmückten Pferden und festlich gekleideten, zylindertragenden Reitern den Klosterhof in St. Marienthal und den Marktplatz von Ostritz umrundet. Selbstverständlich ist es etwas für`s Ohr, wenn die reitenden Trompeter den Saatreitermarsch, die Intraden und das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ (zum Glück in der alten Fassung von 1774) intonieren. Doch diese berührenden Äußerlichkeiten wollen dazu hinführen, dass dies alles etwas für`s Herz ist. Tausenden Menschen wird verkündet: Christus ist auferstanden und ihr habt deshalb allen Grund zur Freude. Das besondere an der Ostritzer Prozession ist – im Unterschied zu den sorbischen Zügen -, dass auch der Segen Gottes für die frisch keimenden Saaten erbeten wird, weshalb dieser Ritt die Bezeichnung „Saatreiten“ trägt. Am darauffolgenden Freitag treffen sich die Reiter zu einem Gottesdienst, um Gott dafür zu danken, dass wieder alles glücklich verlaufen ist – wie nun schon seit Jahrzehnten. Die Erlebnisse auszutauschen, dazu ist Gelegenheit beim nachfolgenden „Saatreiterbier“. Da bleiben die Männer unter sich. Doch wer gern das Tanzbein schwingt, kann sich ca. drei bis vier Wochen später beim „Saatreiterball“ einfinden; auch, wenn er nicht die Auferstehungsbotschaft vom schwankenden Pferderücken verkündet, sondern sie auf dem sicheren, festen Erdboden empfangen hat.

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3. Ostersonntag

Lichterweg-Station – Foto: Stephan Kupka

Lichterweg in Ostritz

Im Jahr 2006 fand sich eine kleine Gruppe engagierter Christen aus beiden Ostritzer Gemeinden zusammen und beschloss, den ersten stationären Lichterweg Deutschlands in ihrer Stadt entstehen zu lassen. Bis zum 5. Oktober 2013 wurden die sieben Stationen nach und nach komplettiert. Der Weg ist eine Fortsetzung der 14 Leidensstationen Christi, die in nahezu jeder Kirche und auch auf dem Stationsberg in St. Marienthal zu sehen sind. Deshalb beginnt der Ostritzer Lichterweg auch am Kloster mit seiner ersten Station, dem leeren Grab. Der Lichterweg führt den Besuchern und Bewohnern der Stadt die Hoffnung spendende Botschaft des Glaubens vor Augen. Dafür wurde er mit einem Sonderpreis des deutschen Missionspreises bedacht. Jeweils am 3. Ostersonntag wird dieser reichlich 2 km lange Weg bis zur katholischen Kirche in Ostritz betend und singend gegangen. Und wer ihn an den restlichen 364 Tagen des Jahres einmal abschreiten möchte, kann z. B. auf einer Bank am virtuellen See von Tiberias mit einem sehr realen Boot vor Augen darüber nachsinnen, wie die Liebe und die Kraft des Auferstandenen Erfolglosigkeit und gar den Tod in ein neues Leben wandelt.

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1. Montag im Mai

Trinationale Priesterkonferenz CZ/D/PL
Trinationale Priesterkonferenz CZ/D/PL in Haindorf (Hejnice) 2019  - Foto: Petr Bíma

Trinationale Priesterkonferenz CZ/D/PL

Zu dieser Veranstaltung können wir leider nur wenige Leute einladen; sie müssen die Priester- oder Diakonenweihe empfangen haben. Trotzdem wollen wir sie hier aufführen, denn diese Konferenz gehört durchaus zu den Besonderheiten im Dreiländereck. Seit 2000 versammeln sich jedes Jahr zumeist am ersten Montag im Mai die Priester und Diakone der Dekanate Bogatynia (Reichenau), Liberec (Reichenberg) und früher einmal Zittau (R.i.p.), jetzt Bautzen. Der Austausch zu theologischen und pastoralen Fragen ist wichtig und es ist gut, voneinander zu hören und zu lernen. Kinderseelsorge, Erstkommunion- und Firmvorbereitung, Familienpastoral – der Themen gibt es viele. Die Verbundenheit über Ländergrenzen hinweg kommt natürlich am deutlichsten durch die Eucharistiefeier am Beginn der Zusammenkünfte zum Ausdruck, bei der freilich offenbar wird, dass die modernen Priester im Hinblick auf die Kirchensprache Latein keine Sprachgenies mehr sind. Dankbar wird auch immer die herzliche Gastfreundschaft angenommen.

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Sonnabend um den 8. Mai herum

Versöhnungswallfahrt 2018

Versöhnungswallfahrt in Haindorf (Hejnice)

Im September 1990 kam Pfarrer Miloš Raban (1948 – 2011) nach Haindorf (Hejnice) am Fuße des Isergebirges und baute das „Internationale Zentrum der geistlichen Erneuerung“ auf. Dieses Anliegen der geistlichen Erneuerung äußerte sich für ihn auch in der Versöhnungswallfahrt, die er 2000 für Deutsche, Polen, Sorben und Tschechen ins Leben rief. „Termingeber“ ist seither der 8. Mai, der Tag des Endes des Zweiten Weltkrieges. Am Sonnabend, der diesem Datum am nächsten liegt, wird in die barocke Basilika nach Hejnice eingeladen. Meistens steht ein Bischof der Eucharistiefeier vor, aber unter einem Prälaten oder Domkapitular geht es eigentlich nie ab. Das Anliegen ist noch immer lebendig und wird es bleiben: Die Versöhnung unserer Völker nach dem Leid, das sie einander durch Krieg und Vertreibung angetan haben. Eine Wallfahrt wie diese ist ein sehr geeignetes Zeichen, dass „Versöhnung“ mehr bedarf als schöner Worte in Sonntagsreden. Dafür lohnt es sich, Zeit zu investieren. Für Heiterkeit sorgt inzwischen die stets wiederkehrende Einladung am Schluss der Messe, dass alle Wallfahrer nach der Messe eingeladen sind zum „Guláš“; ein Wort, das auch jeder versteht, der der tschechischen Sprache nicht mächtig ist, weshalb diese Ansage auch nicht übersetzt wird. Auf das Haindorfer Klosterbier „Anastas“ wird nicht eigens hingewiesen; man sollte sich aber merken, dass es das gibt!

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Um den 16. Mai

Hl. Johannes von Nepomuk – aus Lindenholz geschnitzte Figur (Privatbesitz)

„Lichterschwimmen“ zum St.-Nepomukfest

Gewiss eine der ungewöhnlichsten Formen der Heiligenverehrung ist das Lichterschwimmen zu Ehren des hl. Johannes Nepomuk. Das ist keine neumodische Erfindung; Johann Wolfgang von Goethe hat es bereits 1820 in Karlsbad erlebt und beschrieben. Den Grund für das Martyrium Nepomuks hat man wohl in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen jener Zeit zu suchen. Bekannter ist die Legende, wonach sich Johannes Nepomuk dem König widersetzt habe, das Beichtgeheimnis zu brechen: „t – a - c - u – i“ – „ich habe geschwiegen“. Fünf Buchstaben = fünf Sterne. So wurde er am 20. März 1393 in Prag gefoltert, durch die Stadt geschleift und schließlich von der Karlsbrücke in die Moldau geworfen. Die Leiche des im Wasser Treibenden soll der Legende nach von fünf Flammen umsäumt gewesen sein.

Dies ist der Grund für den Strahlenkranz um das Haupt des „5-Sterne-Heiligen“; deswegen versammeln sich in St. Marienthal am Freitagabend, der dem Gedenktag des heiligen Johannes Nepomuk (16. Mai) am nächsten liegt, Erwachsene und Kinder zum Lichterschwimmen. Zunächst werden im Kloster auf einfache Art und Weise kleine Schiffchen gebastelt und mit Wünschen, Dank- und Segenssprüchen und vor allem Kerzen versehen. Nach einer kurzen Andacht werden sie am „Verlassenen Kreuz“ im Neißetal auf dem Fluss ausgesetzt. In der hereinbrechenden Dunkelheit begleiten die Teilnehmer die still dahingleitenden, leuchtenden Schiffchen bis vor das Kloster. Besonders die Kinder haben ihre Freude daran, doch auch den Erwachsenen geht das Herz auf angesichts so viel Besinnlichkeit.

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Tage vor Christi Himmelfahrt

Prozession anlässlich der Bitttage 2019 in Ostritz

Bitttage

Entstanden sind die Bitttage bereits im 5. Jahrhundert in Gallien und wurden an der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert durch Papst Leo III. in die römische Liturgie integriert. Mit Bittgesängen und Litaneien wurde in der Zeit zwischen Aussaat und Ernte gutes Wetter erfleht. Unwetter und Missernten wurden im Mittelalter auch als Strafe für die eigenen Sünden verstanden. Daher sind die Bitttage mit einem gewissen Bußcharakter versehen. In der heute gültigen Grundordnung des Kirchenjahres ist für die Tage folgendes festgelegt: „An den Bitt- und Quatembertagen betet die Kirche für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und für das menschliche Schaffen; auch eignen sich die Tage für den öffentlichen Dank.“ In Ostritz werden die Bitttage begangen, indem abends eine Heilige Messe gefeiert wird. Daran schließt sich eine Prozession mit einer Station rings um die Kirche herum an. Ist die Witterung entsprechend, ist dies ein unvergessliches Erlebnis an einem milden Mai-Abend. Von der Gestaltung her wird für die Gebete und Gesänge in der Regel eine Trias gewählt, z. B. „Gerechtigkeit“, „Frieden“, „Bewahrung der Schöpfung“ oder – wie 2019 – „Kirche in der Welt“, „Einheit der Kirche“, „Charismen und Dienste“.

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Freitag nach Christi Himmelfahrt

Wallfahrt nach Haindorf
Basilika in Haindorf (Hejnice)

Fuß- und Radwallfahrt nach Haindorf (Hejnice)

Vermutlich seit dem 12. Jahrhundert ist Haindorf (Hejnice) Wallfahrtsort. Der Legende nach erwarb ein armer Siebmacher aus dieser Gegend das Gnadenbild, die „Mater formosa“, in Zittau. Deshalb besteht eine besondere Beziehung zwischen beiden Orten. Gewiss sind zu allen Zeiten Zittauer nach Haindorf gewallfahrtet. Infolge der Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weg jedoch derart weit, dass der Wallfahrtsort nur noch motorisiert erreicht werden konnte. Die Entwicklungen der letzten Jahre ermöglichten es aber seit 2001, sich nun wieder im althergebrachten Stil – nämlich zu Fuß – auf den Weg zu begeben. 36 km sind mit Sicherheit kein Pappenstiel, doch die frohe Gemeinschaft und der Gang durch die wunderschöne Landschaft des Isergebirgsvorlands mit dem Ausblick auf das Jeschkengebirge entschädigen für die Mühen. Außer Schnee haben die Wallfahrer alle denkbaren Wetterphänomene erlebt – und wacker durchgehalten. Um besonders Jugendliche für die Wallfahrt zu interessieren, wird seit drei Jahren der Weg auch per Fahrrad zurückgelegt. Manche Wallfahrer werden nach der Heiligen Messe von Freunden mit dem Auto abgeholt; die anderen erleben noch eine urwüchsige Eisenbahnfahrt über Raspenau (Raspenava) und Reichenberg (Liberec) nach Zittau.

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Sonnabend um den 31. Mai

Jablonne Basilika
Basilika in Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí)

Wallfahrt zur heiligen Zdislava nach Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí)

Die „nächstliegende Heilige“ für die Pfarrei Zittau ist die hl. Zdislava (um 1220 - 1252). Sie fand in der Basilika von Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí) gleich hinter dem Zittauer Gebirge ihre letzte Ruhestätte. Es lohnt sich ohne Zweifel, ihre Biografie kennenzulernen. Wer zu dieser Heiligen auf Wallfahrt gehen möchte, hat die Qual der Wahl: Der Tag der Hauptwallfahrt liegt immer auf dem Sonnabend in der Nähe des Gedenktages der heiligen Zdislava, der am 30. Mai begangen wird. Mehrere Heilige Messen werden gefeiert – der Hauptgottesdienst um 11.00 Uhr – und auf dem Marktplatz ist ein Volksfest im Gange. Dies zu erleben, ist schon schön, doch wer Wert darauf legt, alles zu verstehen, was in der Liturgie gesprochen wird, ist vielleicht besser aufgehoben bei der Wallfahrt der Deutschen, die jeweils im Juli stattfindet.

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Sonnabend im Juni

Jablonne Basilika
Busexkursion 2018

Busexkursion zu sakralen Kleindenkmalen in Nordböhmen

Im „Umgebindeland“, zu dem Teile der Oberlausitz, Nordböhmens und Schlesiens gezählt werden, haben sich viele religiöse Kleindenkmale in einer großen Vielfalt erhalten. Sie bezeugen den tiefen Glauben und das unerschütterliche Gottvertrauen derer, die sie aufgestellt haben. Meistens sind sie eingebettet in eine anmutige Landschaft. Während die Kreuze, Bildstöcke und Kapellen in Deutschland und Polen von ihren Besitzern in der Regel in Ordnung gehalten wurden, verfielen in Tschechien viele dieser Denkmäler. Dieser Niedergang ist nun nach besten Kräften gestoppt und viele dieser Stätten des Glaubens wurden liebevoll von Kommunen und Vereinen restauriert.

Der Pilgerhäuslverein lädt an einem Sonnabend im Juni zu einer Exkursion nach Nordböhmen ein, um sich selbst von diesen Fortschritten ein Bild machen und die Schönheit dieser Glaubenszeugnisse bewundern zu können. Freilich ist es keine Vergnügungsfahrt; an zwei bis drei Stellen wird im Sinne der Stifter eine kurze Andacht gehalten. Die meisten Plätze kann der Bus unmittelbar erreichen. Doch zu diesem oder jenem Bildstock oder Kreuz ist ein kurzer Spaziergang in garantiert schöner Umgebung notwendig – was nach dem längeren Sitzen durchaus gut tut!

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Sonntag um den 17. Juni

Herrnhut - Kirchensaal
Herrnhuter Kirchensaal, in dem der ökumenische Gottesdienst stattfindet

Ökumenischer Gottesdienst zur Ortsgründung Herrnhut

In dem Buch „Was würden Moravians tun“ findet sich folgender nette Witz: „Während eines ökumenischen Treffens kam plötzlich jemand in den Raum gestürmt und rief: ‚Das Gebäude steht in Flammen!‘“ Hier werden nun die Reaktionen der christlichen Konfessionen augenzwinkernd dargestellt. „Und was würden Brüdergemeinmitglieder tun? Das Gebäude im nächsten Jahr wieder niederbrennen und eine Tradition daraus machen.“ Herrnhut hält tatsächlich große Stücke auf Traditionen. Am 17. Juni 1722 wurde der Ort gegründet, indem der erste Baum gefällt wurde. Am Sonntag, der diesem Datum am nächsten liegt, wird dieses Ereignis festlich begangen. Im Mittelpunkt steht dabei ein Gottesdienst, der seit vielen Jahren ökumenisch gefeiert wird. Es ist gewiss ein schönes Erlebnis, an diesem Tag im Kirchensaal, der „Guten Stube“ der Brüdergemeine, bei Gottesdienst und anschließendem Kirchenkaffee dabei zu sein.

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26. Juni

St. Paulus und St. Johannes von Rom
St. Paulus und St. Johannes von Rom – Statuengruppe in Liebenau (Hodkovice nad Mohelkou)

Gelübdetag in Ostritz

„Nachdem anno 1773, am 18. Juni, ein überaus großes Unwetter in Böhmen unweit von Leitmeritz bis hierher in Oybin, Zittau, Oberseifersdorf, Herschdorf, Schlegel, Leuba, Dittersbach, Bernstadt, Jauernick, ja bis Rothenburg hin – wie die Nachrichten einlaufen, auch in Polen und bis Berlin, auch hinter Leipzig – gewütet hat, haben wir Ostritzer in den hinteren Feldern viel Schaden erlitten, sind aber von solch grausamen und unerträglichen Schaden, welcher nicht beschrieben werden kann, bewahrt worden – so Gott es wollte. So hat der Rat und die Bürgerschaft beschlossen und ein Gelübde gemacht: Gott zu lieben, zu loben und anzubeten. Möge Gott uns fernerhin gnädig sein und kommende Übel von uns abwenden, die wir ob unserer Sünden und Missetaten, durch Neid und Hass, Rachsüchtigkeit und Hoffart wohl verdient hätten. Daher wollen wir ein Dankfest – und zwar alle Jahre, solange Ostritz, unser uraltes Städtchen besteht – am Festtage der heiligen Johannes und Paulus, das ist am 26. Juni, halten.“ So ist in den Aufzeichnungen des Stadtschreibers Ignatius Hocke zu lesen, die im Jahr 2000 wiederentdeckt wurden.

Dieses Datum ist selbstverständlich inspiriert vom Unglückstag eine Woche zuvor, doch ausschlaggebend dürfte der Heiligengedenktag gewesen sein. Das Brüderpaar Johannes und Paulus erlitt unter dem römischen Kaiser Julian Apostata (360 – 363) den Märtyrertod. Ihr Gedenktag zur Zeit der Sommersonnenwende machte die beiden zu Wetterpatronen. Schon 1150 wurden sie in der Chronik der deutschen Kaiser als solche erwähnt. Eine solche alte Botschaft erfüllt mit Stolz: Dass unsere Vorfahren im Glauben die Zuversicht besaßen, ihre Nachkommen würden dieses Gelübde halten. Und auch deswegen, weil wir Heutigen uns in der Tat als treu erweisen und Wort halten.

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Im 1. Halbjahr

Gelübdetag in Ostritz
Gemeindebildungstag 2018: Besuch der Orgelbaufirma Eule – Foto: Bernhard Pflug

Gemeindebildungstag

Am Anfang stand der Unmut. Wie jede Pfarrei, die etwas auf sich hält, veranstaltete auch die Zittauer regelmäßig drei Bildungsabend im Jahr – mit einer beklagenswerten Beteiligung. Eine PGR-Klausur brachte den Durchbruch: Man beschloss, diese Abende in einen ganzen Gemeinde-Bildungstag umzuwandeln. Am ersten, der 2004 nach Görlitz ans Heilige Grab führte und dann zu einem Vortrag über die Passion Jesu in die Räume der St.-Jakobus-Gemeinde, beteiligten sich lt. Chronik ca. 90 Erwachsene und über 40 Kinder; eine Zahl, von der man gegenwärtig leider auch nur mehr träumen kann. Eine Bedingung für den Gemeindebildungstag ist, dass er nicht in den gemeindeeigenen Räumen stattfindet. So wurden interessante Ziele, die zumeist in der Oberlausitz lagen, gefunden. Dass diese Tagesfahrten durchaus nachhaltige Wirkung haben, beweist eindrucksvoll die Reise 2018 nach Bautzen in die Hermann Eule Orgelbau GmbH unter dem Motto „Vom Orgelbau zum Orgelspiel“. Die Teilnehmer erhielten einen Einblick in der Kunst des Orgelbaus und verstehen seitdem, mit großen und kleinen Pfeifen umzugehen.

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16. Juli

Jablonne Basilika
Skapulier-Altar in der Kirche „Mariä Himmelfahrt“ in Ostritz

Skapulierfest in Ostritz

Kein Ostritzer Katholik würde auf die Frage, was am 16. Juli im Liturgischen Kalender verzeichnet ist, antworten: „Der Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel“. Er würde kurz und bündig erwidern: „Das Skapulierfest“. Das Karmelgebirge im Norden Israels ist der geographische Entstehungsort des Karmelitenordens. Hier lebten seit altchristlicher Zeit nach dem Vorbild des Propheten Elija Eremiten und führten ein asketisches Leben. Die Verehrung Mariens unter dem Titel „Unsere liebe Frau vom Berge Karmel“ nahmen sie mit nach Europa, als sie im 13. Jahrhundert vor den Sarazenen fliehen mussten. Der Überlieferung zufolge erschien dem heiligen Simon Stock, einem Ordensgeneral der Karmeliten, am 16. Juli 1251 in Cambridge die Muttergottes. In der Vision übergab sie dem Mönch ein Skapulier mit dem Versprechen, dass jeder, der es trage, unter ihrem besonderen Schutz stehe, besonders in der Stunde seines Todes. Ein Skapulier ist zunächst ein Überwurf über das eigentliche Ordensgewand, z. B. auch der Zisterzienser. In einer stark verkleinerten Form besteht ein sogenanntes „kleines Skapulier“ aus zwei Stückchen Wollstoff, die durch Tragebändchen miteinander verbunden sind. So können sie unter der Alltagskleidung getragen werden. Schon zu Lebzeiten des heiligen Simon gründete sich eine Skapulierbruderschaft. Die Ostritzer besteht seit 1676. Regelmäßig betet sie den Rosenkranz vor dem Skapulieraltar. In der Bruderschaft (zu der selbstverständlich auch Schwestern gehören) kommt lebendig und greifbar zum Ausdruck, was die Pfarrei Zittau in ihrem Siegel führt: Dass Maria unsere Beschützerin ist – als Schutzmantelmadonna oder eben als „Unsere liebe Frau vom Berge Karmel“.

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Ende Juli

Hl. Anna - Schnitzwerk am Hochaltar der Kirche "Mariä Namen" in Löbau
Hl. Anna – Schnitzwerk am Hochaltar der kath. Kirche „Mariä Namen“ in Löbau

St.-Anna-Fest in Engelsdorf (Andělka)

Am 26. Juli steht der Gedenktag von Joachim und Anna im Heiligenkalender, den Eltern Marias und damit den - wenn auch legendären - Großeltern Jesu. In der Nachbarschaft unserer Pfarrei, in Andělka (Engelsdorf), wird dieses Fest in der dortigen St.-Anna-Kirche immer schön gefeiert. Höhepunkt ist die Heilige Messe in deutsch und tschechisch, die terminlich meistens am dem Gedenktag nächstliegenden Sonntag liegt. Es gibt drei gute Gründe, an diesem Gottesdienst teilzunehmen. Erstens kann der Weg dorthin schon interessant sein. Von Ostritz sind reichlich 6 km zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Man durchquert polnisches Staatsgebiet, um gleich hinter der zweiten Grenze in das tschechische Dorf zu gelangen. Selbstverständlich gelangt man dorthin auch mit dem Auto. In Andělka werden Gottesdienste nur noch "nach Absprache" gefeiert. Durch unsere Anwesenheit unterstützen wir die kleine Ortsgemeinde in ihrer schwierigen Glaubenssituation. Und nicht zu verachten: Eben jene Gemeindemitglieder geben nach der Heiligen Messe reichlich schmackhaftes Gebäck zum Kosten. Wer darüber hinaus touristisches Interesse hat, kann noch den schön gestalteten Schnittpunkt zwischen dem 51. Breitengrad und dem 15. Längengrad besichtigen.

unsichtbare Sprungmarke;
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1. Sonntag im September

Ökumenischer Gottesdienst am Dreiländerpunkt
Ökumenischer Gottesdienst am Dreiländerpunkt – Foto: Bernhard Pflug

Ökumenischer Gottesdienst am Dreiländerpunkt

Nicht alles muss von IKEA sein, nur weil es aus Holz besteht und aus Schweden kommt. Doch ein schwedischer Import ist es schon, das Kreuz am Dreiländerpunkt von Deutschland, Polen und Tschechien. Am 8. Juni 1996 trat ein 3, 20 m hohes Holzkreuz in der Stadt Växjö, stehend auf einem Pkw-Anhänger montiert, entlang der Bundesstraße 96 von Saßnitz nach Zittau durch ganz Ostdeutschland seine Reise an. Es war 96 Tage lang unterwegs. Die Fahrt sollte u. a. an die Lichterkette vom Ersten Advent 1989 erinnern, die sich damals entlang der B 96 gebildet hatte. Fünf Jahre brauchte es, bis dann das Kreuz endlich am vorgesehenen Platz aufgestellt wurde. Einmal im Jahr an einem Sonntagnachmittag, der dem Weltfriedenstag (1. September) am nächsten liegt, kommen Christen zu einer ökumenischen Andacht zusammen – jedes Mal, und das ist das Besondere, in einem anderen Land. Denn noch kann man leider nicht ohne weiteres über die Neiße zu den Nachbarn gelangen.

unsichtbare Sprungmarke zur Radwallfahrt;

3. Oktober

Radwallfahrt Jakuszyce 2018 – Foto: Bernhard Pflug

Radwallfahrt von Jakobsthal (Jakuszyce) nach Zittau

Manche Fahrradstrecken – wie etwa die von Paris nach Roubaix – genießen einen geradezu legendären Ruf. Doch das ist etwas für die Profis. Für fromme Amateure birgt allerdings die Strecke von Jakobsthal (Jakuszyce) über Haindorf (Hejnice) nach Zittau ein ähnliches Potential. Seit dem 3. Oktober 2013 ist es nämlich eine Wallfahrtstrecke. In drei Ländern wird an drei Stationen, in Orle, Hejnice und Zittau, Station gemacht für das Gebet der Tagzeitenliturgie. Die Strecke führt durch den landschaftlich ausgesprochen schönen Teil des polnischen Isergebirges und berührt die beiden Kurorte Bad Flinsberg (Świeradów-Zdrój) und Bad Liebwerda (Lázně Libverda). Die Strecke ist ohne Zweifel recht anspruchsvoll, da sie sehr bergig ist, und misst 81 km. Doch allen, die nun auf Grund dieser Beschreibung übertriebenen Respekt zeigen und zaudern mitzufahren, sei zum Trost gesagt: Es geht von 886 m über dem Meeresspiegel auf 242 m hinunter. Per Saldo also 644 m Abfahrt; das dürfte gewiss zu bewältigen sein!

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Sonnabend im November

Besinnungstag im Pilgerhäusl Hirschfelde
Abschlussandacht zum ersten Besinnungstag im Pilgerhäusl Hirschfelde

Besinnungstag im Pilgerhäusl Hirschfelde

Das Pilgerhäusl in Hirschfelde nimmt – wie schon sein Name sagt – vorwiegend Pilger auf, die auf dem „Zittauer Jakobsweg“ unterwegs sind. Doch auch Gäste, die eine Auszeit brauchen oder Besinnung suchen, können sich hier einfinden. Besonders an sie richtet sich das jeweils an einem Sonnabend im November wiederkehrende Angebot eines Besinnungstages. Vor allem Texte aus der geistlichen Tradition des Christentums, aber auch die Weisheit der Märchen geben Impulse, über den eigenen Glaubens- und Lebensweg nachzudenken. Dieser Tag ohne jede Hektik und mit guter Verpflegung wird immer sehr genossen und die meisten lassen sich auch nicht von einem ausführlichen Spaziergang durch das Novemberwetter abschrecken. Wenn es das gar zu schlimm treiben sollte, lässt sich immer noch die interessante evangelische Kirche „St. Peter und Paul“ besichtigen.

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über das Jahr verteilt

Großes Zittauer Fastentuch - Foto: René Egmont Pech
Denk mal am Fastentuch in Zittau - Foto: René Egmont Pech

Denk mal am Fastentuch in Zittau

Seit Juni 1999 wird das Große Zittauer Fastentuch von 1472 im Museum Kirche zum Heiligen Kreuz in Zittau in der größten Museumsvitrine der Welt (Guinness-Buch der Rekorde) der Öffentlichkeit präsentiert. Es war seinerzeit das Anliegen, in diesem berühmten Tuch nicht nur ein Museumsstück zu sehen, sondern auch seine Botschaft den Menschen zugänglich zu machen – sozusagen als „Zittauer Bibel“. Diese Absicht fand bei den „weltlichen“ Verantwortungsträgern dankenswerter Weise sofort Gehör. Deshalb wurde fortan monatlich ein Abend veranstaltet, an dem die Bilder erklärt und gedeutet wurden. Nach so langer Zeit müssen die Inhalte der Bilder nun nicht mehr so ausführlich erläutert werden. Deshalb wurde das Programm auf drei Abende im Jahr reduziert. Auch hier zeigt sich die lebendige Ökumene der Stadt: Die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde, die Evangelisch-methodistische Kirchgemeinde und die Römisch-katholische Pfarrei verantworten und gestalten gemeinsam diese Veranstaltungen. Das großartige Tuch anschauen, dabei der dezenten Musik lauschen und sich von den geistvollen Texten führen lassen – das geht eben nur in Zittau!

Texte: Pfarrer Michael Dittrich
Fotos: Jeannette Gosteli (sofern nicht anders angegeben)