Eine echte Doppelgängerin

Löbaus katholische Kirche ist ein Zwillingsbau, denn sie stammt aus demselben „genetischen Material“ wie die ältere Schwesterkirche in Selzthal/Steiermark. Der Hintergrund: Man sparte einfach Kosten, indem ein vorhandener Bauplan – erstellt von einem Benediktiner des Emmauslosters in Prag – ein zweites Mal zur Ausführung kam. Im Vergleich zur fast doppelt so großen Nikolaikirche wirkt der katholische Bau bescheiden; doch bei näherem Hinsehen lässt sich auch hier ein kunsthistorisches Juwel entdecken. Der neogotische Stil wurde gekonnt mit Elementen des Jugendstils bereichert. Besonders beeindruckend ist die Ausmalung von Decken und Wänden und ihren symbolischen Anspielungen. Dass die Kirche der Mutter Gottes geweiht ist, lässt sich nahezu in jedem Winkel ablesen – kaum ein Raumelement kommt ohne Mariendarstellung aus...  

Wegweisend

Wie Ende des 19. Jh. weit verbreitet, wurde auch die neue katholische Kirche in Löbau unter das Patronat Mariens gebracht und mit der Verehrung ihres Namens in Verbindung gestellt. Im Kircheninneren finden sich viele Bezüge zu Maria, so auch eine farbige Figur, die ursprünglich zum linken Seitenaltar gehörte.   

Versteckt

Wer die katholische Kirche zum ersten Mal besucht, wundert sich, dass sich der große Haupteingang etwas versteckt an der Nordseite der Kirche befindet. Die Bauherren hatten darauf vertraut, dass eine breite Hauptverkehrsstraße gebaut wird, die dann die Erschließung von Norden her ermöglicht hätte. Doch dazu kam es nie...  

Zusammengehörig

Der rote Klinkerbau des Pfarrhauses und die graue Kirche bilden zwar einen farbigen Kontrast, die weiße Quaderung an den Außenkanten markieren jedoch auch ihre Zusammengehörigkeit. 

Beraubt

Die Kanzel ist aufgrund ihrer Reliefdarstellungen der vier Evangelisten ein Blickfang. Nach dem II. Vatikanischen Konzil wird sie zum Ambo und dadurch ihres Schalldeckels mit der Taube als Symbol des Heiligen Geistes beraubt.

Bayrisch

Zu der ursprünglichen Ausstattung gehören drei Altäre, die die Königliche Hofkunstanstalt Mayer aus München fertigen durfte. Der Hauptaltar zeigt in zwei Reliefs die Geburt und die Heimsuchung Mariens. Ein Seitenaltar wird nach dem II. Vatikanischen Konzil zum Zelebrationsaltar umgebaut. Vom dritten bleibt nur die Marienfigur erhalten. 

Ursprünglich

Der Hauptaltar ist des Weiteren  mit zwei Figuren geschmückt. Eine davon stellt den hl. Franz von Assisi dar – eine schöne Erinnerung an die Anfänge des katholischen Lebens in Löbau durch den Bau des Franziskanerklosters. 

Größer als gedacht

Wer sich die Mühe macht und auf die Orgelempore steigt, wird mit einem beeindruckenden Blick in den Kirchenraum belohnt. Hier werden auch die Ausmaße der Kirchenschiffes deutlich: Es ist 31 m lang, knapp 12 m breit und 13,5  m hoch.

Behütet

Die Ausmalung der Altarraumdecke verdient besondere Beachtung, da sie eine schöne Darstellung Mariens umgeben von Engeln beinhaltet. Das Werk wurde von der Königlich Sächsischen Hofglasmalerei C. L. Türcke aus Zittau geschaffen.

Farbig

Wenn die Löbauer Marienkirche beschrieben wird, ertönt immer auch das Loblied auf die farbige Gestaltung der Kirche. Wände, Fenster, Interieur – alles ist aufeinander abgestimmt und erzeugt eine gewisse Lebendigkeit. Kaum zu glauben, dass man 1924 auf die Idee kam, die Malereien zu überstreichen und mit Schablonenmustern zu versehen. In den 80iger Jahren wurde der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.   

Leuchtend

Eines der vielen Zeichen, die auf das Patronat Mariens verweisen, ist das leuchtende Rosenfenster am Nordgiebel des Kirchenschiffes. In der christlichen Symbolik stellt die Rose Maria als Mutter der Liebe  dar. Auch in der Ausmalung der Apsis deuten Rosen auf die Mutter Gottes hin. 

Erhellend

Die Apsis wird durch drei hohe spitzbogige Glasfenster erhellt. Mit farbenfrohen Bleiglasscheiben zeigen sie Maria, Jesus und Joseph. Die Meisterwerke stammen von der schon erwähnten Königlich Sächsischen Hofglasmalerei C. L. Türcke aus Zittau.

Böhmisch

Imposant ist auch der Kronleuchter, der aus einer böhmischen Glasmanufaktur stammt. Er ging schon mal bei Reinigungsarbeiten zu Bruch und hätte um ein Haar den Küster erschlagen. Heutzutage reisen für die aufwändige Prozedur der Reinigung Spezialisten aus Böhmen an. 

Historischer Abriss
7./8. Jh.: Gründung von Löbau als wendisches Dorf
13./14. Jh.: Bau eines Franziskanerklosters mit Kirche (heute Johanniskirche)
1570: Auslöschen des katolischen Lebens in Löbau als Folge der Reformation
19. Jh.: Zuzug katholischer Arbeiter aufgrund der Industrialisierung
18. Sept. 1890: Grundsteinlegung für die neue Kirche 
11. Sept. 1892: Weihefest
1906: Einrichtung der Pfarrei
2000: Eingliederung der Lokalkaplanei „St. Bonifatius“ Herrnhut
7. Juli 2019: Auflösung der Pfarrei „Mariä Namen" Löbau
und Gründung der Pfarrei „St. Marien“ Zittau

 

Anschrift
02708 Löbau, August-Bebel-Str. 6
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Ansprechpartner
Pfarrer Steffen Börner
Gemeindeleiter Löbau

 

© Texte und Fotos: Jeannette Gosteli